Andy trifft Mary Rozell, globale Leiterin UBS Art Collection & Kuratorin Lucian Freud: Closer

Angesichts der neuen Ausstellung “Closer” der UBS Kunstsammlung, mit Radierungen von Lucian Freud, unterhalte ich mich mit Mary Rozell, Global Head der UBS Kunstsammlung und Kuratorin dieser Ausstellung. Die Themen, die wir diskutieren umfassen Lucian Freud, den wichtigsten figürlichen Maler des zwanzigsten Jahrhunderts und die Ausstellung in Berlin. Auch wird auf die bedeutsame Initiative der UBS im Bereich der Kunst & Kultur sowie die “Zukunft des Kunstsammelns” Bezug genommen. 

 

 

 

Die Aufgabe der UBS Sammlung ist es, einen grundlegenden und fruchtbaren Bestand an Kunstwerken aufzubauen und zu pflegen, die zum Nachdenken anregen und zugleich inspirierend wirken sollen. Welche Gesichtspunkte haben Sie bei der Kuration von Lucian Freud im Rahmen der „Closer“-Ausstellung berücksichtigt (inklusive der Wahl von Berlin und dem Martin-Gropius-Bau)?

Danke Andy – du beschreibst die Aufgabe der UBS Kunstsammlung sehr schön. Wir freuen uns sehr, all diese wichtigen Werke in Freuds Geburtsstadt und dem Martin-Gropius-Bau – einem historisch symbolträchtigen Gebäude und einem von Europas renommierten Ausstellungsräumen –  zur Schau stellen zu können. Ich muss mich bei Poul EricTøjner und Anders Kold vom Louisiana Museum of Modern Art bedanken, die die Aussage-Kraft dieser Werke erkannt haben und ihnen zum ersten Mal seit 2015 eine öffentliche Plattform verschafften. Dr. Gereon Sievernich, der Direktor des Martin-Gropius-Baus, war der Meinung, dass die Sammlung dieser Werke gut mit der Stadt harmonieren würde. Diese Ausstellung ist eine Premiere, um diese Werke dem Publikum in Berlin zeigen zu dürfen.

Sie haben das UBS Kunstsammlungs -Team jetzt für ungefähr zwei Jahre geleitet. Wie war Ihre Erfahrung bisher mit der Verwaltung einer Unternehmenssammlung? Was haben Sie am Meisten genossen und was waren die Herausforderungen dabei?

Es ist schwer zu glauben, dass fast zwei Jahre schon vergangen sind, seitdem ich damit anfing. Die Erfahrung war durchweg sehr positiv. Als Global Head bin ich verantwortlich für alle Aspekte der Sammlung: Beginnend bei der Verwaltung und den Neuanschaffungen  bis hin zu den Publikationen und Kommissionen. Ausserdem bin ich auch damit beschäftigt, neue Wege zu finden, um die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es war sehr schön zu sehen, wie intensiv sich die Öffentlichkeit mit Freuds Werken in dieser Ausstellung beschäftigt hat. Die grösste Herausforderung ist es dabei, die immense Nachfrage nach Kunst in unserem Geschäft und darüber hinaus zu stillen.

Gab es eines der 51 ausgestellten Werk von Freud, die Ihre Aufmerksamkeit besonders erregt hat? Wenn ja, welches und warum?

Die Ausstellung umfasst insgesamt 54 Werke – 51 Radierungen und drei Malereien. Wie alle Werke von Freud sind sie nicht leicht zu verdauen. Sie sind so kraftvoll und grob, zugleich aber  auch fein und sehr intim. Es fällt da einem schwer, nur Eines davon auszuwählen.

Was halten Sie von Künstlern wie Freud, deren Stil durch ihre ganze Karriere hindurch auffallend beständig bleibt?

Ähnlich wie bei den meisten Künstlern von Freuds Format, gab es auch bei ihm eine Entwicklung. Seine frühesten Werke, die an Surrealismus, Neue Sachlichkeit und deutschen Expressionismus erinnern, sind schwer als Freuds zu erkennen. Nachdem er einmal seine einzigartige künstlerische Handschrift gefunden hatte, behielt er diese für viele Jahrzehnte bei. Das ist es, was seine Radierungen so interessant macht. Freud begann erst 1980, als er als Maler schon vollständig etabliert war, ernsthaft mit diesem Medium zu arbeiten.  Die Radierungen boten ihm eine wichtige neue Herausforderung und neue Möglichkeiten, sich als Künstler auszudrücken und diese wurden schliesslich ein elementarer Bestandteil seines Lebenswerkes.

Gab es in der letzten Zeit eine erwähnenswerte Anschaffung der UBS Kunstsammlung, die Sie hervorheben möchten und wenn ja welches Werk oder welcher Künstler wäre dies?

Wir haben einiges an interessanten Werken in der letzten Zeit erworben und sind stolz auf die Anzahl der weiblichen Künstlerinnen, die wir unterstützen konnten. Ein bestimmtes Stück, das mir einfällt, ist das Werk der in Paris lebenden Künstlerin Sheila Hicks, mit dem Titel „roter Schieferabbau in den Tiefen, 2017“ (Mining Red Slate from the depths, 2017). Obwohl Hicks internationaler Ruf sich erst vor Kurzem zu entwickeln begann, hielt man sie schon seit Längerem für eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen, die mit Textilien arbeitet. Hicks erschafft sehr greifbare Werke, die sowohl eine echte malerische Herangehensweise an Licht und Farbe, als auch eine scharfsinnige Wahrnehmung des Zusammenspiels mit der Architektur, offenbaren.

Wie frei können Sie bei der Entscheidung über den Erwerb neuer Kunstwerke für die UBS Sammlung selbst entscheiden und wie läuft die Beschaffung dieser Werke ab? Treffen Sie Entscheidungen im Team?

Hauptsächlich basiert der Prozess der Beschaffung für die UBS Sammlung auf Nachfrage. Der Fokus liegt nun darauf eine Sammlung aufzubauen, die unsere heutigen Geschäfte widerspiegelt. Ich bin in der glücklichen Lage auf ein globales Team aus vier Kontinenten zurückgreifen zu können, das mir hilft, die Sammlung und die Quellenarbeit zu organisieren. Es ist wunderbar einen kontinuierlichen Dialog über die Künstler, die wir entdecken und um die wir uns kümmern, führen zu können.

Wie wichtig ist das Material der Kunst bei der Beschaffung von neuen Werken für die UBS Kunstsammlung: Wie flexibel sind Sie bei der Beschaffung von Kunstwerken wie Plastiken, Neon, oder anderer Installationen?

Im Umfeld eines Unternehmens müssen wir umsichtig sein, was die Platzierung der Kunst angeht, daher spielt das Material eine grosse Rolle. Es ist kein Museum, also können wir keine delikaten Werke haben. Ausserdem ist es wichtig die Langlebigkeit von Kunst in Betracht zu ziehen; ich bedenke immer wie ein Werk in 50 Jahren aussehen wird.

Die Kunstwerke werden in UBS Büros auf der ganzen Welt aufgehängt. Wie wichtig sind dabei der Dekorationszweck und die Ästhetik im Gegensatz zur Kunst, welche die Gesellschaft im Rahmen der aktuellen globalen Problemen (wie Krieg, Hunger, sexuelle Ausbeutung, Flüchtlinge) kritisiert? Wo ziehen Sie da die Grenze?

Wie du sagtest, der Grossteil unserer Werke wird in unseren Büros auf der ganzen Welt zur Schau gestellt. Wir wollen, dass die Kunstwerke zum Nachdenken anregen und inspirieren, aber es gibt gewisse Grenzen aufgrund des Unternehmensumfelds. Wir meiden die Anschaffung von Werken, deren Inhalt Themen wie die offene Darstellung von Gewalt, Sex oder Politik umfasst. Das bedeutet jedoch nicht, dass ihnen keine starken Botschaften zugrunde liegen. Manchmal ist die Sensibilität auch regional bedingt.

Können Interessierte eine Führung buchen, um die Kunstwerke der UBS Kunstsammlung zu sehen? Wie zugänglich ist die Sammlung  für Kunstenthusiasten gemacht über das ganze Jahr (Ungeachtet der Ausstellungen) ?

Wir veranstalten private Touren sowohl für UBS Kunden, als auch für internationale Kunst- und Bildungsgruppen in unseren Hauptzentralen in New York, London, Zürich und Hong Kong. Wir teilen unsere Sammlung auch mit unseren Kunden, Interessenten und Gästen in unserer VIP Lounge in Art Basel in Basel, Miami Beach und Hong Kong. Dort gibt es eine grosse Nachfrage, unsere Sammlung zu sehen und wir versuchen, so viele Anfragen wie möglich unterzubringen. Es ist auch sehr lohnenswert für uns, einen Dialog über die Werke, um die wir uns kümmern, zu öffnen.

Nutzen Sie soziale Netzwerke, um neue Künstler und Kunstwerke zu identifizieren? Spielen Einflussnehmer, „online Kuratoren“ zukünftig eine Rolle? Welche Modelle werden bestehen im Zusammenhang mit der sogenannten „Digitalisierung der Kunstwelt“?

Soziale Netzwerke spielen keine grosse Rolle bei der Identifikation neuer Künstler und Kunstwerke. Eine unserer Aufgaben ist es Künstler direkt zu unterstützen, daher beschaffen wir hauptsächlich aus Galerien auf dem Primärmarkt. Durch Kunstfachzeitschriften, sowohl gedruckt als auch online und regelmässige Dialoge mit Kuratoren, Händlern und anderen fachkundigen Personen, deren Meinung wir hoch schätzen, bleiben wir auf dem neuesten Stand.

Abschliessend endlich eine Warhol betreffende Frage: Soviel ich weiss, beinhaltet die UBS Kunstsammlung auch Werke von Andy Warhol. Was fällt Ihnen in Bezug auf Andy Warhol zu dessen Kunst und Erbe ein?

Zu diesem Zeitpunkt ist die UBS Kunstsammlung im Besitz zweier Werke von Warhol: Campbells Soup I, 1968, einem Portfolio von zehn Siebdrucken und Joseph Beuys, 1984 (Mao, 1973 und Cagney, 1962 wurden vor Kurzem von der UBS an das Museum of Modern Art, New York, als Teil eines grossen Geschenks gespendet, welches 44 Werke umfasst und am Anfang diesen Jahres realisiert wurde.)

Warhol ist ganz klar eine der Schlüsselfiguren des letzten Jahrhunderts und wir sind in der glücklichen Lage, diese Werke zur Zeit ihrer Entstehung erworben zu haben. Er hatte einen immensen Einfluss auf unser Verständnis zeitgenössischer Kunst, eines das bis heute mit Künstlern harmonisiert.

Vielen Dank Mary, und viel Erfolg mit der Ausstellung.

Danke Andy.

Weitere Informationen:

Lucian Freud: Closer

Radierungen aus der UBS Kunstsammlung

Wo:

Martin-Gropius-Bau

Niederkirchnerstrasse 7

10963 Berlin

Daten:

22. Juli – 22. Oktober 2017

Öffnungszeiten:

Dienstags geschlossen

Spezielle Öffnungszeiten: Geöffnet am Dienstag, 3.10.

Schliessen Sie sich der Diskussion an:

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