Der „Andy Warhol der DDR“

Das Museum Barberini zeigt vom 29. Oktober 2017 bis 4. Februar 2018 in Potsdam die Sonderausstellung „Hinter der Maske. Künstler in der DDR“. Die MAZ stellt in einer Serie ausgewählte Bilder vor. Heute das „Selbstbildnis“ (1970) von Willy Wolff.

„Selbstbildnis“ von Willy Wolff. Quelle: VG Bild-Kunst

 

Der revolutionäre Geist des 20. Jahrhunderts brach auch mit der bürgerlichen Erwartung, dass Bilder die Realität abbilden. Collagetechniken und die Idee der Ungegenständlichkeit kamen auf. Die mächtigen Parteiideologen der NSDAP und der SED protegierten dann aber wieder vormoderne Darstellungsformen.

Willy Wolff (1905–1985) war bereits 1929 in die KPD eingetreten. Er studierte ab 1927 an der Kunstakademie Dresden und wurde ab 1930 Meisterschüler bei Otto Dix. Nach fünf Jahren Kriegsdienst für die Wehrmacht desertierte er und kehrte in seine zerstörte Heimatstadt Dresden zurück. Zunächst setzte er auf einen drastischen Realismus im Stile von Otto Dix und verlieh sachlich-exakten Aspekten der Realität einen übersteigerten Ausdruck.

Wolff gehörte zu jener Generation, die noch vor dem Mauerbau die Welt bereisen konnte. In England stieß er auf die Farbfeldmalerei und auf erste Beispiele der Popart. Als jemand, der die Welt erneuern wollte, praktizierte er nun auch moderne Ausdrucksformen. Diese Haltung brachte ihm in der DDR Ausstellungsverbot und materielle Not ein. Als die Partei ihm anbot, die Empfangshalle des Dresdner Fernsehturmes auszugestalten allerdings unter der Bedingung, „folkloristische Elemente“ zu verwenden, lehnte er ab. Da half es auch nicht, dass er 1970, zu Lenins 100. Geburtstag, ein Raster aus mehr als 100 Lenin-Konterfeis auf eine Hartfaserplatte auftrug und mit Farbflächen konfrontierte. Insider nannten ihn den „Andy Warhol der DDR“.

Im gleichen Jahr fertigte Willy Wolff auch dieses Selbstbildnis an. Die Schrift darauf führt Stationen seines Lebens auf: Dresdner Stadtteile wie Übigau, Mickten und Trachau sowie die Weltstädte Wien, Berlin und London. Mit dem Satz „Was soll nicht alles meine Sache sein – nur meine eigene Sache n(icht)“ bezog er Position gegen Entfremdung und Inanspruchnahme.

Quelle: Karim Saab / Märkische Allgemeine

Advertisements